
Am vergangenen Samstag, den 23. November 2024, versammelten sich rund 20 Personen in der Bad Honnefer Innenstadt am Trinkbrunnen, um an einer bewegenden Trauerfeierlichkeit zu Ehren der Bad Honnefer Seniorenvertretung teilzunehmen.
Nach sechs Jahren intensiver Arbeit und Engagement verabschiedete sich der Förderverein der Seniorenvertretung mit einer symbolischen Zeremonie. Mit einem Sarg, Zylindern und einer berührenden Trauerrede bot die Veranstaltung einen würdigen Abschied für die langjährige Institution. Die Atmosphäre war von Nachdenklichkeit und Dankbarkeit geprägt, während die Redner die Verdienste und den Einsatz der Seniorenvertretung in den vergangenen Jahren hervorhoben.
Die Entscheidung zur Einführung eines Fachbeirats und zur Auflösung der Bad Honnefer Seniorenvertretung traf der Stadtrat, unterstützt von CDU, Bürgerblock, FDP sowie Grün und Sozialim Oktober 2024 . An ihre Stelle tritt nun ein Fachbeirat, der die Aufgaben und Verantwortung der Seniorenvertretung übernehmen wird.
Trauerredner Jörg Heinzelmann hob in seiner Rede besonders die Projekte der Seniorenvertretung hervor, wie „Gemeinsam statt einsam“, die Initiative für eine Toilette auf der Insel Grafenwerth, den ersten Trinkbrunnen in der Innenstadt, eine Ruhebank an der Bergstraße und Klimaprojekte wie die Beschattung und das Vermeiden von Hitzeinseln in der Innenstadt.
Die Trauerfeierlichkeit unterstrich die Wertschätzung und den Respekt, den die Bad Honnefer Gemeinschaft der Seniorenvertretung entgegenbringt. Die Teilnehmer zollten ihren Tribut und drückten ihre Anerkennung für die geleistete Arbeit aus, die das Leben vieler Senioren in der Region bereichert hat.
Die Veranstaltung endete in einer ruhigen und reflektierenden Stimmung, wobei die Teilnehmer sich Zeit nahmen, um Erinnerungen auszutauschen und die Bedeutung der Seniorenvertretung für die Gemeinschaft zu würdigen.
Hier die Emotionale Trauerrede von Jörg Heinzelmann …
„Zitat“
Liebe Trauergäste, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Angehörige der Seniorenvertretung,
wir verabschieden uns heute von der Seniorenvertretung in Bad Honnef.
Der Rat der Stadt hat – nicht in seiner Weisheit, aber in seiner Mehrheit – das Ableben der Seniorenvertretung in Bad Honnef beschlossen.
Exakt nach 6 Jahren Lebenszeit nach Deiner Geburt am 10. Oktober 2018.
Der damalige Rat beschloss eine gewählte Seniorenvertretung einzurichten – zur besseren Wahrnehmung der Interessen und Anforderungen älterer Menschen – überparteilich, verbands- und vereinsunabhängig sowie konfessionslos neutral.
Doch dieser Seniorenvertretung wurde von Geburt an ein Fehler mitgegeben:
Das Wahlverfahren für die Neugeborene war nicht altersgerecht.
Nun sollte dieser Geburtsfehler geheilt werden, aber Deine Vorschläge zur Heilung, das Wahlverfahren den Bedürfnissen und Möglichkeiten älterer Menschen anzupassen, liefen ins Leere – sie wurden regelrecht abgewürgt.
„Der Giftzahn des Klüngels hat Dich niedergestreckt.“
Dein Ableben kam dann so plötzlich und unerwartet, eine Chance zum Weiterleben wurde Dir nicht vergönnt.
Unerwartet, unbegreiflich und schmerzhaft sollst Du jetzt dahinsiechen bis zum Ende Deines Mandates im Mai kommenden Jahres.
Diesen grausamen Prozess können und wollen wir nicht ertragen, deshalb verabschieden wir uns schon jetzt in tiefer Betroffenheit.
Erinnern wir uns jedoch an Dein segensreiches Wirken. Es war zwar nicht immer einfach unter Deinen Mitgliedern Einigkeit herzustellen, um so erstaunlicher sind die Hinterlassenschaften Deiner Arbeit:
- Zum Auftakt gab es auf der steilen Bergstraße eine Bank zum Ausruhen für die im Dahl-Stift Lebenden, wenn sie von ihren Erledigungen aus der Stadt kommen.
- Das Projekt „Gemeinsam statt einsam“ hast Du mit aus der Taufe gehoben – heute, in Zusammenarbeit mit dem Bündnis für Familie, dem Fachdienst Soziales der Stadt und einigen anderen sozialen Organisationen, ein beliebter Treffpunkt sich einsam fühlender Menschen in Bad Honnef.
- Die Toilette auf der Insel Grafenwerth. Jetzt, wo sie verwirklicht wurde, wird sie von vielen „Vätern“ reklamiert, aber es war die „Mutter Seniorenvertretung“, die hier am Ball blieb und stetig bohrte. Schauen Sie sich das „Häuschen“ an – nett und einladend – es steht allen Generationen zur Verfügung.
- Viele weitere Projekte, hast Du angestoßen:
- Die gebührenfreie Zufahrt für Schwerbehinderte zu den Schiffsanlegern auf der Insel.
- Beitrag zum Gelingen des Lebensfreude-Festivals 2022 im Park Reitersdorf.
- Die Forderung nach mehr öffentlichen Toiletten im Stadtgebiet.
- Mitwirkung beim Netzwerk „Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit“ mit den Anliegen „Klima- und Hitzeschutz“. Zusammen mit Schülern hast Du Lösungsansätze gesucht und Dich dort mit den Anliegen und Erfahrungen älterer Menschen eingebracht.
Ein Ergebnis dieses Engagements ist der Trinkbrunnen, vor dem wir hier stehen. Sehr ambitioniert sind etwa 10 solcher Brunnen in der Stadt angedacht – Ideen sind schön, doch Du wolltest bis zu der Realisierung dieser Ideen nicht warten und hast die finanziellen Mittel gesucht und gefunden, wenigsten e i n e n Trinkbrunnen zu realisieren.
Zusammen mit der Bürgerstiftung, dem Förderverein zur Unterstützung der Seniorenvertretung und der BHAG ist es jetzt schon gelungen, diese Einrichtung zu realisieren. An heißen Sommertagen werden wir diesen Brunnen zu schätzen lernen.
Das segensreiche Wirken im Kleinen ist Dein Vermächtnis!
Du hast Bad Honnef – nicht nur für die ältere Generation – bereichert, wir werden Dich im Gedächtnis behalten.
Dabei hast Du keine städtischen Mittel aus Steuergeldern erhalten.
Um so mehr sind wir all jenen Bürgerinnen und Bürgern zu größtem Dank verpflichtet, die sich mit ihren jährlichen Beiträgen für den Förderverein zur Unterstützung der Seniorenvertretung beteiligt haben.
Die Mitglieder des Fördervereins haben für Dich gesorgt und Dir die Mittel zukommen lassen, die für Deine Tätigkeit notwendig waren.
Diese Solidarität für ältere Einwohnerinnen und Einwohner kann nicht hoch genug eingeschätzt werden und darf nicht unerwähnt bleiben!
In jedem Abschied wohnt auch die Hoffnung inne.
Es ist die Hoffnung auf Deine Wiederkehr.
In Trauer und Verbundenheit, liebe Trauergäste,
sagen wir deshalb nicht: „Ruhe sanft“, nein, wir sagen: „Komm bald wieder!“
Im Interesse des Zusammenhalts und der demokratischen Mitwirkung wird Dein Wirken „in kleinen Dingen“ auch in Zukunft gebraucht!
Hoffnungen werden erst Realität, wenn sie mit einem entsprechenden willen gepaart ist
An uns allen liegt es also, daran zu arbeiten.
Gemeinsam können wir aus dem Willen und die Hoffnung die Kraft schöpfen, Dich dereinst wieder ohne Geburtsfehler wiederzusehen, denn es liegt an uns, den Bürgerinnen und Bürgern, bei nächster Gelegenheit die Ratsmehrheit zu Deinen Gunsten zu verändern.
Vielen Dank für Ihre Teilnahme!
(Zitat ENDE )
Hier einige Impressioen ..
(eb-ki) Fotos: Thomas Scheben
24.11.2024