Wer sich durch das „Integrierte Klimaschutzkonzept“ der Stadt Bad Honnef liest oder die städtische Website zum Thema Klima besucht, könnte meinen, wir leben in einer absoluten Hochburg des Ressourcenschutzes. Da werden Bürgerinnen und Bürger aktiv dazu aufgerufen, ihre Stein- und Schottergärten mit Fördergeldern zu entsiegeln. Jeder Quadratmeter zählt im Kampf gegen den Klimawandel. Doch dieser grüne Anstrich blättert gewaltig ab, sobald man den Blick auf die tatsächliche Stadtentwicklung am Ortsrand richtet: Mit dem Projekt „Selhof Süd“ wird auf der vielzitierten grünen Wiese die massive Neuversiegelung einer riesigen Freifläche vorbereitet.
Wie die Stadt diesen eklatanten Widerspruch zwischen Theorie und Praxis verwaltungstechnisch löst, offenbarte die Sitzung des Planungsausschusses vom 21. April in bemerkenswerter Offenheit. Dort standen die neuen, deutlich strengeren Vorgaben des Landesentwicklungsplans (LEP) auf der Agenda. Der LEP fordert unmissverständlich den absoluten Vorrang der Innenentwicklung und eine drastische Reduzierung des Flächenverbrauchs. Anstatt hier für das Großprojekt Selhof Süd Alarm zu schlagen, nahm die Stadt diese Vorgaben in der Mitteilungsvorlage (M/0053/2026) völlig klaglos hin und lobte stattdessen „erweiterte kommunale Handlungsspielräume“.
Gleichzeitig gab die Verwaltung offen zu, dass der Abwägungs- und Begründungsaufwand für neue Baugebiete durch die strengeren Regeln massiv steigen wird. Wie rechtfertigt man also zukünftig rechtssicher den massiven Flächenfraß im Selhofer Feld, der den eigenen Klimazielen fundamental widerspricht?
Die Lösung für dieses Paradoxon ist ebenso durchsichtig wie machtpolitisch clever: Man bedient sich einfach einer landeseigenen Entwicklungsgesellschaft. Wer den enormen rechtlichen und gutachterlichen Begründungsaufwand stemmen muss, um die neuen Hürden des Landes formvollendet zu überspringen, holt sich das Land am besten direkt als Partner ins Boot. Das Projekt wird so politisch und juristisch unangreifbar gemacht. Das ist die systematische Auslagerung von planungsrechtlicher Verantwortung.
Wenn man sich tagtäglich ehrenamtlich für den Naturschutz im Rhein-Sieg-Kreis engagiert und durch die aktive Hege unserer heimischen Reviere genau weiß, was der unwiederbringliche Verlust solcher Freiflächen für den lokalen Landschaftshaushalt in der Realität bedeutet, wirkt diese planungspolitische Doppelzüngigkeit nur noch zynisch.
Vorne wird der Bürger mit Broschüren zur Entsiegelung ermahnt, hintenrum wird der Flächenverbrauch durch strategische Winkelzüge mit Landestöchtern rechtssicher gemacht. Die Bad Honnefer Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf ehrliche Stadtplanung statt auf grüne Nebelkerzen.

Mit freundlichen Grüßen
Sascha Hüsing
26.05.2026
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