Erst kürzlich wurde der Straßenzug der Rommersdorfer Straße nach Erneuerung verschiedener Ver- und Entsorgungsleitungen fertiggestellt. Während der Planungsphase wurde kontrovers über die Nutzung der Straße als Fahrradstraße, den Wegfall von Stellplätzen etc. diskutiert. Nun ist der neue Belag fertig, man kann ihn mögen oder nicht, aber es ist eine neue Steinwüste entstanden – im ganzen Straßenzug vom Marktplatz bis zur Bismarckstraße findet sich kein einziger Strauch und kein Baum – einzig auf dem Vorplatz zur Sankt Josef Schule verliert sich ein einzelner Baum.

Nun ist der Platz im Straßenzug der Rommersdorfer für Pflanzungen bekanntlich eng. Aber auf dem gesamten Vorplatz zur Schule und an der Ecke zur Bismarckstraße gäbe es reichlich Platz für Bäume und Sträucher – und auch hier: kein Grün, nur versiegelte Fläche und Asphalt. Barbara Schweikert und Werner Wimmeroth, deren Heimweg täglich an dieser Stelle vorbeiführt, ärgert die Entstehung dieser neuen Hitzeinsel. Nach ihrer Beobachtung während der Bauphase gibt es hier im Erdreich keine großvolumigen Ver- oder Entsorgungsleitungen, die eine Baumpflanzung verhindert hätten.
Die Stadt beschäftigt mit Herrn Illert einen Klimafolgenanpassungsmanager, der in den letzten Monaten mit anderen Mitstreitern ein Konzept von Klimaanpassungsmaßnahmen für die Stadt erarbeitet hat und immer wieder die Wichtigkeit von Stadtgrün gerade in der Innenstadt betont – die ersten heißen Tage des Jahres verdeutlichen dies. Stadtgrün in Form von Bäumen und Fassadenbegrünung schafft Verschattung und Verdunstungskälte und trägt damit positiv zum Microklima und zur Vermeidung von Hitzeinseln in der Stadt bei. Wird die Botschaft nicht gehört?
Man hat den Eindruck, das Thema Klimaschutz und Klimaanpassung ist immer noch nicht als essentielle Notwendigkeit bei allen angekommen und die zuständigen Stellen haben allein ihr eigenes Gewerk im Blick.
Ein Rückblick:
auch der Dreiecksplatz am Eingang der Fußgängerzone hatte einmal einen kleinen Baumbestand – eine Wohltat schon allein fürs Auge. Die Bäume wurden im Zuge der Baumaßnahmen der neuen Abwasserkanalisation „entsorgt“.

Nach Aussage von Frau Böhm vom Amt für Umwelt und Stadtgrün hat damals das zuständige Abwasserwerk im Untergrund eine Betonschicht eingezogen – u.a. um die erwarteten Verkehrslasten abzusichern – was heute eine Neubepflanzung mit geeigneten Bäumen schwer bis unmöglich macht.
Konrad Weber: „Was lernen wir daraus? Klimaschutz und Klimaanpassung sind lebensnotwendige Querschittsaufgaben, die einen vernetzten Blick über den eigenen Tellerrand erfordern. Im Zweifelsfall hilft: die Bürger fragen! Denn in der Gesellschaft gibt es längst ausreichend Wissen über die Klimaveränderung und geeignete Schutz- und Anpassungsmaßnahmen.
Eine neue Herausforderung stellt hier die zukünftig klimaneutrale Wärmeversorgung unserer Gebäude dar. In der kommunalen Wärmeplanung, die die Stadt Bad Honnef durch ein Consultingbüro hat erstellen lassen, ist gerade die Innenstadt mit ihren engen Straßenzügen, kleinen Grundstücken und älterem Gebäudebestand als Fokusgebiet ausgewiesen. Hier bietet sich als technologische Lösung eher die Versorgung über ein Netz oder mehrere kleine Wärmenetze an. Und sofort stellt sich die Frage: soll/müsste dann z.B. die Rommersdorfer Straße wieder aufgerissen werden? Man mag gar nicht daran denken.“
Konrad Weber, der selbst über 30 Jahre als Ingenieur im Bereich der Energieversorgung von Gebäuden gearbeitet hat, weist auf die Notwendigkeit eines langfristigen und vernetzen Denkens und Planens hin, z. B. bei der Planung und Realisierung der großen Neubauvorhaben in der Innenstadt: Saynsche Passage, Postgebäude, Sparkasse, Quartiersgaragen…. Hier könnten durch frühzeitige Integration größerer Wärmeerzeuger in der Planung Ausgangspunkte für eine klimaneutrale Wärmeversorgung der Innenstadtgebäude durch mehrere Wärmenetze entstehen. Und gleichzeitig gibt es die Aufgabe, mit Bäumen, Sträuchern und Fassadenbegrünung langfristig etwas gegen die Klimaerwärmung zu tun.
Zurück zur aktuellen Situation in der Rommersdorfer Straße: der Vorstand des Vereins Lebendige Stadtmitte Bad Honnef e.V. schlägt vor, den Asphalt auf dem besagten Eckgrundstück zur Bismarckstraße wieder zu entfernen (keine Bodenversiegelung mehr!) und an dieser Stelle 3 geeignete Bäume zu pflanzen. Auch auf dem Schulvorplatz sollten Baumpflanzungen geprüft werden. Der Verein bietet an, die Kosten für die Setzlinge und falls nötig auch die Bewässerung und Baumpflege in den ersten Jahren das Anwachsens zu übernehmen.
Quelleund Fotos : Lebendige Stadtmitte Bad Honnef e.V. — Konrad Weber
27.05.2026
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