Vielleicht sollte man mal beim Nachbarn schauen, wenn man die Bonner Nordbrücke neu bauen will. Dieses Projekt ist ähnlich, und der Bau dieser Brücke hat Mitte 2011 begonnen. Mitte 2013 rollte dann der Verkehr. Hier ist der ganze Artikel.
Der Bau der zusätzlichen Waalbrücke
Im Auftrag von Rijkswaterstaat wurde neben der fast 40 Jahre alten Waalbrücke eine zusätzliche Brücke errichtet. Mit einer Länge von 1.050 Metern war dieses Bauwerk ein außergewöhnliches Infrastrukturprojekt. Die neue Brücke wurde als Teil des Ausbaus der Autobahn A50 zwischen den Autobahnkreuzen Ewijk und Valburg gebaut und Mitte 2013 fertiggestellt.
Hintergrund
Die A50 ist eine wichtige Verkehrsverbindung in den Niederlanden. Mehr als 30 % des Verkehrs auf dieser Strecke besteht aus Lkw-Verkehr, ein großer Teil davon grenzüberschreitender Gütertransport. Aufgrund des stetig steigenden Verkehrsaufkommens wurde die Autobahn von 2×2 auf 2×4 Fahrstreifen erweitert. Ein zentraler Bestandteil dieses Projekts war der Bau der zusätzlichen Waalbrücke.
Zwei Brücken – ein Gesamtkonzept
Die neue Brücke wurde westlich der bestehenden Waalbrücke errichtet. Beide sind Schrägseilbrücken, bei denen die Fahrbahn an starken Stahlseilen zwischen hohen Pylonen aufgehängt ist.
Obwohl die neue Brücke der alten äußerlich sehr ähnelt, gibt es wichtige Unterschiede:
* Die bestehende Brücke besitzt eine Stahlfahrbahn.
* Die neue Brücke hat eine Betonfahrbahn, die deutlich schwerer ist.
* Deshalb werden mehr Schrägseile benötigt.
* Die Pylone der alten Brücke stehen in der Fahrbahnmitte.
* Die vier Pylone der neuen Brücke befinden sich an den Außenseiten.
Der Architekt Paul Wintermans beschrieb das Konzept als „Einheit in der Vielfalt“. Zusammen bilden beide Brücken ein harmonisches Gesamtbild in der offenen Flusslandschaft.
Fundamente und Stützpfeiler
Um die Bauzeit zu verkürzen, wurde gleichzeitig an beiden Ufern gearbeitet. Für die Fundamente entstanden große Baugruben mit Spundwänden. Der Untergrund wurde mit einem Gel abgedichtet, sodass trocken gearbeitet werden konnte.
Die Pfeiler besitzen einen ovalen Querschnitt. Dadurch kann Hochwasser besser um die Bauwerke herumströmen, wodurch der Wasserwiderstand reduziert wird.
Die Einschubmethode
Für die Abschnitte über den Auenbereichen wurde die sogenannte Einschubmethode verwendet:
* Die Brückenteile wurden in 30 Meter langen Abschnitten hergestellt.
* Alle zwei Wochen wurde ein neues Segment fertiggestellt.
* Anschließend wurde die gesamte Konstruktion um 30 Meter Richtung Fluss vorgeschoben.
Da Beton auf Beton kaum gleiten kann, wurden Edelstahl- und Teflonplatten verwendet. Dadurch musste nur etwa 3 % des Brückengewichts bewegt werden.
Ein Einschubvorgang dauerte etwa vier bis sechs Stunden.
Der Vorbauschnabel
An der Spitze des Brückendecks war ein leichter Stahlvorbau („Vorbauschnabel“) befestigt. Dieser erleichterte das Überschieben der Pfeiler, da er sich weniger durchbog als die schwere Betonkonstruktion.
Spannbeton für hohe Tragfähigkeit
Die Brücke wurde mit:
* dichtem Bewehrungsstahl,
* speziellen Spannstahlkabeln und
* hochfestem Beton
gebaut.
Die Spannkabel wurden nach dem Aushärten des Betons gespannt. Dadurch erhielt die Konstruktion ihre hohe Tragfähigkeit und Stabilität.
Bau über dem Fluss
Sobald die Brückenteile die ersten Flusspfeiler erreicht hatten, kam die sogenannte Freivorbaumethode zum Einsatz.
Dabei wurden:
* jeweils 5 Meter lange Segmente hergestellt,
* wöchentlich neue Abschnitte angebaut,
* insgesamt 44 Segmente für die Hauptspannweite gebaut.
Nach den ersten Segmenten wurden die Schrägseile montiert, an denen die Fahrbahn aufgehängt wurde.
Das Schlussstück
Von beiden Ufern aus wuchsen die Brückenteile aufeinander zu. Die letzte verbleibende Lücke wurde mit einem Schlusssegment geschlossen.
Danach erfolgten:
* Montage von Leitplanken,
* Geländern,
* Beleuchtung,
* lärmminderndem Asphalt.
Da alle Arbeiten oberhalb des Wassers stattfanden, konnte die Schifffahrt auf der Waal während der gesamten Bauzeit ungehindert weiterfahren.
Technische Daten
* Länge: 1.050 m
* Breite: 33 m
* Rund 800 Gründungspfähle
* Ca. 45.000 m³ Beton
* Rund 7.100 Tonnen Bewehrungsstahl
Zeitplan
* Baubeginn: Juli 2011
* Einschubarbeiten abgeschlossen: erste Hälfte 2012
* Verbindung beider Ufer: Herbst 2012
* Inbetriebnahme der neuen Brücke: Mitte 2013
* Sanierung der alten Waalbrücke: 2013–2014
* Gesamtprojekt abgeschlossen: 2014
Ausbau der A50
Zusätzlich zum Brückenbau wurden:
* vier Kilometer Lärmschutzwände errichtet,
* die Anschlussstellen Ewijk und Valburg umgebaut,
* neue Wege für Landwirtschaftsverkehr und Radfahrer geschaffen,
* etwa 220.000 Tonnen Asphalt eingebaut,
* rund 430.000 m³ Erde bewegt,
* 40 Kameras,
* 900 Lichtmasten,
* 200 km Kabel und Leitungen sowie
* 25 km Glasfaserkabel verlegt.
Durch diese Maßnahmen wurde die Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit der A50 deutlich verbessert.
Antoon Blass
04.06.2026
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