Sie sind keine Unbekannten für einheimisches Publikum mehr, die beiden Musiker, die eine klangvolle Matinee am vergangenen Sonntagvormittag (22.3.26) in der stimmungsvollen Manufaktur der Lebensfreude boten. Lisa Shklyaver (Klarinette) und Georgy Voylochnikov (Klavier) spannten mit ihrem Programm „Epochenruf“ einen weiten musikalischen Bogen und bereicherten mit ungewöhnlichen Interpretationen von vertrautem Kammermusik-Repertoire: mal zart und intim, mal lebendig, expressiv und bewusst kontrastierend. Vielschichtigkeit und Verbindendes der ausgewählten Stücke bis in die Gegenwart machten beide Künstler in einer sehr persönlichen Moderation dazwischen deutlich.
Im ersten Teil des Programms erklangen Werke der R(h)einromantik, unter anderem das Duo für Klarinette und Klavier von Norbert Burgmüller, dem „rheinische Schubert“, in dessen melodiösem Eröffnungsthema Lisa Shklyaver das lyrische Potenzial der Klarinette virtuos zur Geltung brachte, und eine von Georgy Voylochnikov für Klarinette und Klavier bearbeitete Klaviersonate von Schumann – eine interessante Bereicherung für das nicht sehr umfangreiche Klarinettenrepertoire.
Der zweite Teil des Konzerts führte in die Moderne. Er begann mit den 1947 erschienenen „Hillendale Waltzes“ von Victor Babin, die ein Thema von Johann Nepomuk Hummel in acht Variationen modern interpretieren. Mit Earl Wilds „Virtuoso Etudes“ verwandelte danach Georgy Voylochnikov am Klavier bekannte Klassiker von George Gershwin zu einem expressiven Hörerlebnis, das höchste technische Meisterschaft im improvisatorischen Stil der Originale vereinte.
Eine auch für die Künstler spannende Neuentdeckung war die Sonatina für Klarinette und Klavier von Joseph Horovitz, der als Elfjähriger 1938 nach London floh, wo er 2022 verstarb. Der Komponist bezeichnete sich selbst als „reaktionären, vom Jazz beeinflussten, verbissenen Tonalisten“, und so war das von dem Duo dynamisch interpretierte Werk ein beschwingter Ausklang der facettenreichen Matinée.
Als „Sahnehäubchen“ gab es noch die „Denneriana“, ein Stück für Klarinette mit Klavierbegleitung von André Bloch, das 1938 für den Wettbewerb des Pariser Konservatoriums komponiert wurde. Der Titel ist eine Anspielung auf den Erfinder der Klarinette, Johann Christoph Denner. Dieses Stück bot Lisa Shklyaver noch einmal die Gelegenheit, die ganze Klangfülle ihres Instruments mit meisterhaftem Spiel zu demonstrieren.
Mit der Matinee in der Manufaktur der Lebensfreude auf dem Bad Honnefer Dachsberg gaben Lisa Shklyaver und Georgy Voylochnikov ihren Einstand als künstlerische Leiter der Reihe „Klassik zu Gast bei Coppeneur“.
Der bisherige kreative Kopf der internationalen Konzertreihe, Herbert Gröger, der nach zehn eindrucksvollen Jahren nun mit einem Blumenstrauß den Staffelstab an das in Bad Honnef lebende Künstlerpaar übergab (Foto), ist überzeugt, dass sie nicht nur neue Töne setzen, sondern auch mit ganz persönlichen Impulsen die Kammermusikszene im Siebengebirge bereichern werden. In diesem Jahr sind bereits drei weitere Konzerte mit internationalen Musikerinnen und Musikern geplant. Die neue künstlerische Leitung will damit zeigen, wie lebendig und gegenwärtig Kammermusik heute ist, wenn sie mit Neugier und Gestaltungslust gedacht wird.
Die nächsten Konzerte der Reihe „Klassik zu Gast bei Coppeneur“:
Sonntag, den 14.06.2026, 11:00 Uhr: Yuliya Lonskaja (Gitarre): „Aranjuez, mon amour“
Sonntag, den 27.09.2026, 11:00 Uhr: Anna Petrovitsch (Harfe)
Sonntag, den 29.11.2026, 11:00 Uhr: Davide und Sara de Ascaniis (Violine und Klavier)
Tickets zu 30,- Euro bei den Coppeneur-Verkaufsstellen und unter www.coppeneur.de
Quelle: Klassik bei Coppeneur (bb)
28.3.2026
