Leserbrief: Schließung von Grabfeldern auf dem Neuen Friedhof – Ratsbeschluss vom 03.07.2025 und Ratssitzung vom 26.03.2026


Bezugnehmend auf die Ratssitzung vom 26.03.2026 und die gestellten Fragen zur Schließung von Grabfeldern auf dem Neuen Friedhof an die Stadtverwaltung Bad Honnef durch den Bürgerblock Bad Honnef und der Volt Partei.
Ich bedanke mich bei diesen Parteien für Ihren eingereichten Fragenkatalog.

Ist der Stadtverwaltung bewusst, welche Kosten aus Sie zukommen, wenn nur die Hälfte der Betroffenen Bürger einer Umbettung zustimmen?
Hier könnten ohne weiteres Kosten von bis zu € 500.000,00 und mehr entstehen.
Angefangen bei den Umbettungskosten, teilweise Übernahme von Steinmetzarbeiten und von Grabneubepflanzungen, bis hin zur kompletten Übernahme sämtlicher Kosten bei Urnenbeisetzungen ab 2029 beziehungsweise 2037.

Ist eine extensive Pflege der betroffenen Flächen für den Steuerzahler wirklich teurer????

Alleine in meinem persönlichen Fall liegen die Kosten für die Stadt bei ca. € 10.500,00 inkl. Umbettung, Steinmetzarbeiten und Grabbepflanzung.
Weil die Stadt komplett alle Kosten, laut Schreiben vom 25.03.2026, übernimmt, da bei einer Urnenbeisetzung keine Kosten für das Entfernen von Einfassung und Grabstein anfällt.

Und dies ist Stand März 2026!!

Abgesehen von den finanziellen Belastungen, werden die emotionalen gar nicht berücksichtigt.
Es wird nur von Paragraphen geredet und wie teuer es ist und der Mensch bleibt auf der Strecke.
Eine gute Lösung für alle Betroffenen wird gar nicht angestrebt und erst nachdem Bürger und Presse es öffentlich gemacht haben, hat die Verwaltung reagiert und die betroffenen Bürger am 25.03.2026 angeschrieben und informiert.
Nach Auffassung der Verwaltung, wäre eine frühere Information nicht nötig gewesen, da ja keine Einschränkung der Nutzung vorhanden sei.
Es sollte aber doch klar sein, das eine „Nutzung“ an einer Grabstätte darin besteht in ihr beizusetzen und dies ist für eine Erdbestattung nicht mehr möglich.
Die Verwaltung hätte innerhalb von 6 Monaten nach Ratsbeschluss informieren müssen.

Eine Umbettung von Särgen ist nur von November bis Februar zulässig. Muss ich dann im schlimmsten Fall fast 2 Jahre warten bevor ich eine gleichwertige Grabstätte habe?

Wer bezahlt in dieser Zeit die doppelte Pflege?

Kann die Verwaltung garantieren, dass bei einer Umbettung die Verstorbenen komplett in der neuen Grabstätte liegen?
Oder muss ich meine Eltern an zwei Orten besuchen???

Bei meiner Schwiegermutter ist eine Umbettung der Urne laut Satzung verboten, § 16, Punkt 6, da die Erstbeisetzung bereits 48 Monate zurück liegt.

Werde ich in diesem Fall vor einem leeren neuen Grab stehen oder vor einer ungepflegten Grünfläche. Und darf ich dort weiter Blumen zu Gedenktagen niederlegen?
Oder besuche ich ein leeres Grab an Gedenktagen.
Hätten mein Mann und ich eine grüne Wiese für seine Mutter gewollt, hätten wie kein 2stelliges Wahlgrab erworben.

Warum bietet man den Betroffenen Grabnutzungsberechtigten nicht an, ihre Gräber weiter nutzen zu können, auch für Erdbestattungen, allerdings mit dem Hinweis, dass die Flächen zwischen den verbleibenden Grabstätten nur noch extensiv gepflegt werden.

Laut § 34 der neuen Satzung sind Nutzungsberechtigte sowieso verpflichtet 30 cm im Umfeld der Grabstätte selber zu pflegen.

Und neue Nutzungsrechte werden, wie auch jetzt schon, nicht mehr vergeben.

So könnte die Stadt im Sinne der Steuerzahler sparen. Und die Flächen sollen ja auch nicht Entweiht werden, sondern bleiben für Pandemiezwecke erhalten.

Und wie verhält es sich mit dem letzten Reihengrab in Feld R6 auf dem Neuen Friedhof, das bereits seit Ende 2019 abgelaufen ist (siehe Anhang).

Seit über 5 Jahren sollte dieses Grab, wie alle anderen in diesem Reihenfeld, abgeräumt sein.
Warum besteht dieses Grab immer noch?
Laut Satzung werden Reihengräber nach Ablauf der Ruhefrist, 25 Jahre, automatisch durch die Stadt abgeräumt.
Warum dieses Grab nicht??
Und wurde anderen Nutzungsinhabern von Reihengräbern die gleiche Möglichkeit angeboten??
Wurde dem Inhaber der noch verbliebenen Grabstätte eine Umbettung angeboten und sind Grabverlängerungsgebühren angefallen und bezahlt worden?
Als Inhaber einer Wahlgrabstätte muss ich meine Grabstätte immer wieder neu ankaufen und bezahlen.
Dieses eine Reihengrab blockiert ein ganzes Feld.

Letztes Reihengrab im Feld R6 — Foto©Brammer

Ich fühle mich als Bürger 2. Klasse, wenn ich sehe wie auf dem gleichen Friedhof mit zweierlei Maß gemessen wird.
Und wie emphatisch man in Aegiedienberg mit den Bürgern umgeht. Und hier soll kein Grabfeld geschlossen werden, sondern es sollen nur keine Sargbestattungen mehr stattfinden.

Seit meiner Betriebsübernahme vor über 30 Jahren setze ich mich für den Erhalt der Friedhofskultur ein.

2019 konnte endlich ein Sternenkinderfeld auf dem Neuen Friedhof errichtet werden und 2023 wurde das Sternenkindergrab auf dem Alten Friedhof in einen würdigen Ort verwandelt.
Beide Gräber pflege ich und bepflanze sie jahreszeitlich im Ehrenamt, da junge Familien in dieser Situation einen würdigen Ort zum trauern haben sollten.

Und im Zuge der öffentlichen Abschlussprüfung der Friedhofsgärtner*innen im letzten Jahr, entstand auf dem Neuen Friedhof eine Grabmusteranlage.

Die Stadt Bad Honnef hat seit über 10 Jahren einen ausgearbeiteten Plan für ein Urnengemeinschaftsgrabfeld bzw. Gemeinschaftsfeld inkl. Erdbeisetzungen vorliegen.
Hiermit könnten Freiflächen wieder belebt werden, denkmalgeschützte Grabstätten und Ehrengräber neu belegt und alte Reihengrabflächen wieder genutzt werden.

Dieses Konzept würden den Friedhof im Ganzen wieder attraktiver machen und Abgänge zu Friedwäldern oder anderen Angeboten ( Michaelsgarten in Siegburg) verhindern.

Das sich die Friedhofskultur immer weiter zurück entwickelt ist leider nicht aufzuhalten, aber mit neuen Ideen und Kompromissen mit Bürgern denen die Friedhofskultur etwas bedeutet, kann man dieser Entwicklung entgegen wirken.

Ich würde mir gerade bei einer christlich demokratisch geführten Verwaltung mehr Empathie bei diesem Thema für alle Betroffenen wünschen und ich hoffe, das mit meinen Vorschlägen ein Kompromiss für Bürger, Stadtverwaltung und Steuerzahler gleichermaßen gefunden wird.

Es lebe der Friedhof!
Manuela Brammer
Friedhofsgärtnermeisterin

31.3.2026


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