Info‑Veranstaltung zur Windkraft auf dem Dachsberg

Infoveranstaltung Windkraft -- Foto© Thomas Scheben --

Rund 400 Bürgerinnen und Bürger kamen am vergangenen Mittwoch (15.4.2026) ins Bürgerhaus Aegidienberg, um sich über die möglichen Windkraftplanungen auf dem Dachsberg zu informieren. Zu Beginn begrüßte Bürgermeister Philipp Herzog die Gäste und dankte für das große Interesse. Durch den Abend führte Kilian Reichert, der die Veranstaltung moderierte.

Eingeladen hatten die Bad Honnef AG und die SL Naturenergie, die zunächst den aktuellen Stand ihrer Planungen vorstellten. Nach Angaben der Projektträger könnten die vorgesehenen Anlagen rechnerisch rund 42 Megawatt erzeugen. Der jährliche Energiebedarf im Versorgungsgebiet der Bad Honnef AG liegt bei etwa 61 Megawatt. Beide Anlagen befinden sich weiterhin im Genehmigungsverfahren.

Nach dieser technischen Einführung berichtete Antonius Wiesemann, ehemaliger Bürgermeister von Neuenrade im Sauerland, von den Erfahrungen seiner Heimatgemeinde. Nach einer von Widerständen geprägten Anfangszeit, insbesondere aus der Nachbarschaft, habe sich das dortige Projekt letztlich als Gewinn für die Kommune erwiesen, sagte er. Entscheidend sei die Wertschöpfung vor Ort, wie sie auch in Bad Honnef angestrebt werde.

BHAG‑Vorstand Kersten Kerl sowie Michael Hübner, Prokurist der SL Naturenergie und Jakob Kasperidus,Sonderprojete SL Naturenergie, erläuterten anschließend, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei. Gleichzeitig machten sie deutlich, dass Bad Honnef beim Ausbau erneuerbarer Energien zurückliege: Während in Nordrhein‑Westfalen rund 16,8 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen, seien es in Bad Honnef lediglich 3,8 Prozent.

Als Grundlage für die aktuellen Planungen nannten die Referenten das Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) von 2022, das vorsieht, dass 2 Prozent der Bundesfläche für Windkraft bereitgestellt werden sollen. Zudem orientiere man sich am Regionalplan Köln, der entsprechende Potenzialflächen für die Windenergienutzung ausweist.

Die BHAG, eine Beteiligungsgesellschaft der Stadt, plane daher im Stadtwald östlich des Autohofs Dachsberg und südlich des Dachsbergsees zwei Windenergieanlagen an der Landesgrenze zu Rheinland‑Pfalz. Vorgesehen seien Anlagen des Typs Enercon E‑175 mit jeweils sieben Megawatt Leistung. Beide Windräder werden eine Nabenhöhe von 162 Metern und eine Gesamthöhe von 249,5 Metern über Grund haben. Die Flächenauswahl erfolge in enger Abstimmung mit dem Stadtförster und dem Regionalforstamt Rhein‑Sieg‑Erft.

Im Anschluss nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Auch zahlreiche Gäste aus den benachbarten Gemeinden in Rheinland‑Pfalz waren im Saal, um sich über die möglichen Auswirkungen der geplanten Anlagen zu informieren.

In der anschließenden, von Kilian Reichert geführten Debatte kamen zahlreiche Themen zur Sprache: der mögliche Wertverlust von Grundstücken, die Abstandsregelungen, die erwartbare Schall- und Schattenbelastung sowie die Frage, wie die Anlagen aus verschiedenen Blickwinkeln des Umlands wirken würden. Viele Besucherinnen und Besucher äußerten den Wunsch nach Visualisierungen, um besser einschätzen zu können, wie die Windräder im Landschaftsbild erscheinen könnten.

Große Sorge herrschte zudem über Unklarheiten bei den Abstandsflächen. Besonders Anwohner aus Windhagen fühlten sich betroffen und wiesen auf die Nähe möglicher Standorte zu ihren Wohngebieten hin. Auch das Thema Schallgutachten spielte eine zentrale Rolle: Einige Bürgerinnen und Bürger befürchten eine erhebliche Lärmbelastung. Darüber hinaus wurde der mögliche Wertverfall von Häusern und Grundstücken angesprochen.

Die Veranstalter kündigten an, die Ergebnisse der laufenden Planungen fortlaufend zu veröffentlichen und weitere Beteiligungsformate anzubieten. Ein konkreter Zeitplan für nächste Schritte wurde nicht genannt.

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung hatten sich Windkraftgegner vor dem Aegidienberger Bürgerhaus postiert. Mit Transparenten und lautstarken Rufen machten sie Stimmung gegen das geplante Vorhaben und wollten auf ihre Bedenken aufmerksam machen.

Weitere Informationen zur Windenergie am Dachsberg finden Sie unter www.windernergie-dachsbeg.de

Einige Impressionen vom Abend ..

(eb-ki)

17.04.2026