Nordbrücke: Bonner Rat beschließt erstes Maßnahmenpaket zum städtischen Verkehr

Bonn - Nordbrücke -Foto:© Giacomo Zucca - Bundesstadt Bonn

Der Bonner Rat hat am Donnerstag (11. Juni 2026) ein neun Punkte umfassendes erstes Maßnahmenpaket beschlossen, mit dem die verkehrlichen Auswirkungen in Folge der Sperrung der Nordbrücke (A565/ Friedrich-Ebert-Brücke) abgemildert werden sollen. Die Verwaltung hatte das Paket nach der plötzlichen Brückensperrung am 3. Juni durch die Autobahn GmbH des Bundes als Dringlichkeitsbeschluss vorgelegt.

Oberbürgermeister Guido Déus bedankte sich beim Rat für den Beschluss: „Die Lage ist ernst und wir wissen nicht, wie lange und in welchem Umfang die Nordbrücke gesperrt bleiben wird. Daher setzen wir alles daran, den Verkehr in Bonn und der Region wieder fließen zu lassen. Das bedeutet, dass wir den ÖPNV stärken und den Umstieg darauf erleichtern wollen, um so den Verkehr, der nicht auf die Schiene und in Busse geleitet werden kann, zu erleichtern.“

Mit der Dringlichkeitsvorlage hat die Verwaltung den Rat über erste bereits eingeleitete Maßnahmen informiert und weitere Maßnahmen zum Beschluss vorgelegt.

P&R in Pützchen bis 19. Juli

Bereits seit Montag (8. Juni 2026) ist der neue kostenlose P&R-Platz auf der Pützchens Markt Wiese eingerichtet. Die SWB Bus und Bahn haben einen Shuttle zur Linie 66 in Vilich eingerichtet. Der Shuttleservice ist montags bis freitags von 6 bis 19 Uhr sowie samstags von 10:30 bis 18:30 Uhr im Einsatz. Die Busse fahren im 10 Minuten-Takt und starten an der Haltestelle „Pützchen Schule“ und fahren ohne Zwischenhalt zur Ersatzhaltestelle „Gerhardstraße“. Die Taktung ist an den Fahrplan der Linie 66 angepasst. Die Kosten für eine Woche Shuttle-Verkehr belaufen sich auf rund 75.000 Euro.

Da ab 20. Juli 2026 die Aufbauarbeiten für Pützchens Markt starten, muss das Angebot zu diesem Zeitpunkt beendet werden.

Das reguläre Angebot der Linien 516, 529, 603, 608, 609 an der Haltestelle „Pützchen Schule“ bleibt.

Suche nach weiteren P&R-Möglichkeiten

Die Verwaltung hat damit begonnen, weitere für P&R-Angebote geeignete Flächen in der Nähe von Autobahnabfahrten mit ÖPNV-Anschluss im Bonner Stadtgebiet und im Rhein-Sieg-Kreis zu identifizieren. Auch Flächen in privater Hand kommen infrage. Ebenso Freiflächen, die noch baulich ertüchtig werden müssten. Ziel ist es, zusätzliche Umstiege in den ÖPNV zu ermöglichen, um so die Straßen zu entlasten. Zu den möglichen weiteren P&R-Anlagen gehört z.B. der Parkplatz am Telekom Dome.

Umstieg auf den ÖPNV attraktiver machen

Linienbusse, die im Gegensatz zu Stadt- und Straßenbahnen nicht schienengebunden sind und sich den Verkehrsraum mit dem Individualverkehr teilen müssen, bleiben oftmals im Stau stecken und fahren so Verspätungen ein. Hier werden verschiedene Maßnahmen geprüft, um den ÖPNV fließen zu lassen und attraktiver für einen Umstieg zu gestalten.

Auf der Kennedybrücke gestattet die Breite der Gleis-Trasse derzeit keinen Busverkehr. Zurzeit wird geprüft, ob und mit welchem Aufwand der erforderliche Raum auf der Gleis-Trasse geschaffen werden kann. Wenn dies möglich ist, werden die Ampelanlagen entsprechend angepasst.

Um Autofahrenden im Bonner Stadtgebiet einen Anreiz zu geben, auf den ÖPNV umzusteigen, soll der ÖPNV auf Bonner Stadtgebiet zeitlich befristet ab Montag, 15. Juni 2026, bis Ende Juni kostenlos sein. Eine Erstattung für bestehende Abonnements gibt es nicht. Die Kosten für den kostenlosen ÖPNV belaufen sich nach überschlägiger Schätzung auf ca. 350.000 Euro pro Woche.

Die Umweltspur auf dem Hermann-Wandersleb-Ring wird in eine Busspur umgewandelt. Davon profitieren die regulären Buslinien ebenso wie der geplante Shuttle-Verkehr zwischen einem möglichen P&R-Platz am Telekom Dome und dem Hauptbahnhof. Taxis werden ebenfalls auf der Busspur zugelassen. Der Radverkehr wird auf Parallelrouten umgeleitet. Dazu werden Maßnahmen zur sicheren, durchgängigen und attraktiven Radverkehrsführung beispielsweise auf den Straßen Steinweg, Effertzstraße sowie Endenicher Straße (zwischen Regertstraße und Frongasse) priorisiert weiterentwickelt.

Mehrspurigkeit auf verschiedenen Strecken herstellen

Zur Verbesserung des motorisierten Individualverkehrs (v.a. Autos, Lkw und Motorräder) sollen bestehende Engpässe beseitigt werden und die Anzahl der Fahrspuren für den Autoverkehr erhöht werden, um so die Kapazitäten einzelner Strecken für den Verkehr zu erhöhen. Gleichzeitig soll eine sichere Radverkehrsführung gewährleistet werden. Wo dies möglich ist, soll der Radverkehr auf attraktive und kurze Alternativrouten umgeleitet werden.

Zu diesen vorübergehenden Maßnahmen zählt die Herstellung der Zwei-Spurigkeit auf Teilen der B56 im Abschnitt Kölnstraße bis Bornheimer Straße und in der Verlängerung bis zum Kreisverkehr Am Alten Friedhof in Fahrtrichtung Westen sowie vom Kreisverkehr Am Alten Friedhof und im weiteren Verlauf B56 von der Einmündung Bornheimer Straße bis zur Kasernenstraße in Fahrtrichtung Osten. Das Vorgehen wird mit der Polizei abgestimmt. Es werden mögliche Einschränkungen für ÖPNV, Rad- und Fußverkehr sowie Feuerwehr und Rettungsdienst abgewogen.

Die Umweltspur zwischen Kasernenstraße und Bertha-von-Suttner-Platz bleibt erhalten, um den ÖPNV zu beschleunigen. Auf dieser Achse verkehren insgesamt 18 städtische und regionale Buslinien. Der Radverkehr soll nach Möglichkeit auf einem Radfahrstreifen (1,25 m Mindestbreite) oder einem Radschutzstreifen (1,85 m Mindestbreite) geführt werden.

Die temporäre Markierung erfolgt in gelb.

Der Verkehrsversuch auf der Adenauerallee wird beendet. Die Verwaltung setzt testweise eine rechtskonforme vierspurige Führung des Auto-Verkehrs mit zwei Spuren in jede Richtung um und stimmt sich dabei eng mit der Bezirksregierung als Oberer Verkehrsbehörde und der Polizei ab. Die Datenerhebung wird fortgeführt, um die Entwicklung der Verkehrsmengen eng beobachten zu können. Sollte der Radverkehr dabei nicht (rechts-)sicher geführt werden können, soll der Radverkehr auf gesamter Länge untersagt werden und Umleitungsrouten optimiert. Sollte dauerhaft keine sichere Radführung auf einer vierspurigen Adenauerallee möglich sein, wird die Radverkehrsführung beispielsweise auf Kaiserstraße, Rheinufer und Weberstraße priorisiert weiterentwickelt.

Testweise wird ein zweispuriger Rechtsabbieger aus der Straße Am Hofgarten auf die Adenauerallee umgesetzt. Dies soll die Ausfahrt aus den Tiefgaragen Uni und Markt in der Innenstadt beschleunigen und einen Rückstau verhindern, der den Busverkehr behindert.

Geplante Baumaßnahmen kommen auf den Prüfstand

Die bereits für diese Woche geplante Fahrbahnerneuerung auf der Willy-Brandt-Straße wurde verschoben. Ob die geplanten Wartungsarbeiten des Godesberger Straßentunnels verschoben werden können, wird noch geprüft.

Direkt nach der sofortigen Sperrung der Nordbrücke wurden die Schülerverkehre sichergestellt. Von der Sperrung der Nordbrücke stark betroffen sind die Linien 592 und 595, die beide durch die RSVG betrieben werden. Von der Sperrung der Römerstraße betroffen sind die Buslinien 600/601, die durch die Husarenstraße umgeleitet werden. Damit hier in den recht schmalen Abschnitten der Begegnungsverkehr von und mit den Bussen verbessert wird, werden die Abschnitte zum Schrägparken temporär in Längsparken umgewandelt und entsprechend gelb markiert.

Darüber hinaus hat die Stadtverwaltung bereits die Homeoffice-Regelungen für die städtischen Mitarbeitenden ausgeweitet. Darüber hinaus wurden zusätzliche Desk-Sharing-Arbeitsplätze an dezentralen Standorten in Beuel und Bad Godesberg für städtische Mitarbeitende geschaffen.

Arbeitgebende in der Region wurden im Rahmen des Programms moveBonn informiert. Über moveBonn werden 50 Arbeitgebende mit fast 80.000 Beschäftigten erreicht.

Feuerwehr, Rettungsdienst und kommunaler Ordnungsdienst haben ihre Einsatzkonzepte angepasst und probeweise die Wachwechselzeiten vorverlegt. Die Einsatzzeiten der Müllabfuhr sollen zeitlich von 6 Uhr auf 5 Uhr vorverlegt werden.

Zur Ausweitung der Fährverkehre gibt es weitere Gespräche. Die Mondorfer Fähre hat bereits ihre Kapazitäten auf einen Betrieb von 6:00 bis 21:00 Uhr ausgeweitet. Eine zweite Fähre fährt zu den Stoßzeiten von 7:00 bis 10:00 Uhr sowie von 15.30 bis 19.00 Uhr. Die Godesberger Fähre fährt ebenfalls von 6:00 bis 21:00 Uhr. Eine zweite Fähre ist aufgrund der Abmessungen und Kapazitäten hier nicht geplant.

Quelle: Bundesstadt Bonn

12.6.2026