Eine Planstraße ist niemals nur eine Straße
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Beratung unserer Bürgeranregung nach § 24 Gemeindeordnung NRW im Planungsausschuss hat uns nachdenklich zurückgelassen.
Nicht deshalb, weil unsere Anregung zunächst lediglich zur Kenntnis genommen wurde. Das entspricht dem Wesen einer Bürgeranregung. Sie soll Diskussionen anstoßen – nicht politische Entscheidungen vorwegnehmen.
In den vergangenen Monaten haben wir alle Fraktionen mehrfach angeschrieben. Wir haben auf die geplante Erschließungsstraße, ihre städtebauliche Bedeutung, die verkehrlichen Auswirkungen und den möglichen Zusammenhang mit einer späteren Entwicklung des Areals „Am Lohrberg“ hingewiesen. Unser Ziel war nie, Wohnungsbau grundsätzlich zu verhindern. Unser Ziel war und ist eine offene politische Diskussion über die Zukunft dieses besonderen Ortes.
In der Sitzung des Planungsausschusses führte die Verwaltung schließlich selbst mehrfach sinngemäß aus, man könne durchaus unterstellen, dass die geplante Planstraße der Erschließung eines späteren größeren Baugebietes dienen solle.
Gerade deshalb stellt sich für uns die Frage, ob eine solche Erschließungsstraße überhaupt losgelöst von der Gesamtentwicklung des Gebietes betrachtet werden kann.
Denn eine Planstraße ist niemals nur eine Straße.
Sie verändert dauerhaft den Charakter eines Ortes. Sie schafft Infrastruktur. Sie schafft Tatsachen. Und sie beeinflusst, welche Entwicklung künftig überhaupt möglich wird.
Umso mehr stellt sich für uns die Frage, ob sich eine rund 560 Quadratmeter große Erschließungsstraße mitten durch eine historische Hofanlage im Sinne des § 34 Baugesetzbuch harmonisch in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt – oder ob sie diese Umgebung gerade grundlegend verändert.
Wenn gleichzeitig die Verwaltung selbst einen möglichen Zusammenhang mit einer deutlich größeren Gebietsentwicklung beschreibt, erscheint es umso wichtiger, diese Fragen nicht isoliert unter den Voraussetzungen eines einzelnen Bauvorhabens zu betrachten, sondern im Rahmen einer geordneten Gesamtplanung.
Dabei geht es keineswegs nur um Hövel.
Bad Honnef steht insgesamt vor bedeutenden Entscheidungen der Stadtentwicklung. Bereits heute befinden sich größere Wohnbauprojekte in der Umsetzung oder Planung,
unter anderem am Rederscheider Weg sowie im Bereich Aegidienberger Straße/Ölbergstraße.
Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen, unter denen Städte heute planen.
Nach aktuellen Prognosen wird die Einwohnerzahl Bad Honnefs bis zum Jahr 2050 kaum noch wachsen. Gleichzeitig erlebt Deutschland den stärksten Geburtenrückgang seit Jahrzehnten. Auch dadurch verändern sich langfristig die Annahmen über den künftigen Wohnraumbedarf.
Hinzu kommt der Klimawandel.
In der aktuellen Diskussion um Selhof-Süd wird zu Recht intensiv darüber gesprochen, welche Bedeutung Freiflächen künftig für die Kühlung unserer Städte, den Wasserhaushalt, den Schutz vor Starkregen und die Lebensqualität haben. Diese Fragen stellen sich nicht nur in Selhof-Süd. Sie stellen sich bei jeder neuen Straße, jeder zusätzlichen Versiegelung und jedem Eingriff in gewachsene Ortsstrukturen.
Gerade deshalb wünschen wir uns, dass städtebauliche Entscheidungen künftig stärker als Gesamtaufgabe verstanden werden.
Nicht jedes rechtlich mögliche Vorhaben ist automatisch auch die beste städtebauliche Lösung.
Wir wünschen uns eine Politik, die den Mut hat, Alternativen prüfen zu lassen.
Eine Politik, die fragt, ob eine Erschließung auch anders möglich wäre.
Eine Politik, die historische Ortskerne nicht erst dann entdeckt, wenn sie bereits verschwunden sind.
Eine Politik, die Wohnen, Verkehr, Klima, Geschichte und Lebensqualität gemeinsam denkt.
Käthes Fachwerkhaus steht heute stellvertretend für diese Fragen.
Es geht längst nicht mehr nur um ein einzelnes Gebäude. Es geht darum, wie wir künftig mit den letzten historischen Orten unserer Stadt umgehen – und ob wir Entwicklungen frühzeitig als Ganzes betrachten oder erst dann reagieren, wenn unumkehrbare Tatsachen geschaffen wurden.
Sie tragen als gewählte Vertreterinnen und Vertreter unserer Stadt die Verantwortung, diese Fragen sorgfältig abzuwägen.
Wir möchten Sie herzlich einladen, diese Chance zu nutzen.
Nicht für unsere Initiative.
Sondern für Bad Honnef.
Mit freundlichen Grüßen
Kerstin Salchow
für die Initiative „Käthes Fachwerkhaus“
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