Mucherwiese: Waldwirtschaftsweg, Naturschutz und Radverkehr zusammendenken

Thema: Ertüchtigung Mucherwiesental Vertreter des Bauamtes, der Bürgermeister, der zuständige Förster, der BUND, die Untere Naturschutzbehörde, Jonathan Grunwald MdL sowie für den ADFC Frank Bechtloff und Lars Düerkop Foto:© ADFC OV Siebengebirge (ld)

Die mögliche Ertüchtigung der Verbindung durch das Mucherwiesental zwischen Bad Honnef-Tal und Aegidienberg hat inzwischen eine breite fachliche Diskussion ausgelöst. Bei einem Ortstermin waren Vertreter des Bauamtes, der Bürgermeister, der zuständige Förster, der BUND, die Untere Naturschutzbehörde, Jonathan Grunwald MdL sowie für den ADFC Frank Bechtloff und Lars Düerkop beteiligt. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob und wie eine Verbesserung des bestehenden Weges im Rahmen eines Waldwirtschaftswegekonzeptes möglich ist – und welche positiven Effekte sich daraus auch für den Radverkehr ergeben könnten.

Für den ADFC ist die Verbindung von besonderer Bedeutung. Sie ist bereits als Radweg ausgewiesen und stellt eine wichtige Achse zwischen dem Talbereich und Aegidienberg dar. Zugleich liegt sie in einem sensiblen Naturraum. Deshalb geht es nicht um einen klassischen Radwegebau, sondern um die sorgfältige Ertüchtigung eines vorhandenen Wirtschaftsweges unter Beachtung von Forstwirtschaft, Rettungswegen, Naturschutz und Alltagsradverkehr.

Diskutiert wurden drei Abschnitte. Der obere Abschnitt reicht vom Bereich Servatius in Richtung Aegidienberg bzw. Edeka. Ein weiterer Abschnitt betrifft den Bereich an der Logebachbrücke, wobei hier auch Fragen des Landeseigentums und der Zuständigkeit des Landesbetriebs zu klären sind. Der mittlere Teil ist überwiegend als Schotterstrecke ausgeprägt. Gerade hier stellt sich die Frage, welche Maßnahmen rechtlich und naturschutzfachlich noch als Ertüchtigung eines bestehenden Weges gelten – und ab wann von einer Aufwertung in eine höhere Wegeklasse gesprochen werden müsste.

Ein zentraler Punkt war der vorhandene bzw. frühere Untergrund. Nach der bisherigen Einschätzung wäre eine Ertüchtigung insbesondere dort leichter zu begründen, wo der Weg bereits früher asphaltiert war oder ein entsprechender befestigter Aufbau nachweisbar ist. Wäre dies nicht der Fall, könnte eine neue Asphaltierung als deutliche Aufwertung bewertet werden. Dann wären zusätzliche naturschutzrechtliche Prüfungen erforderlich. Gegebenenfalls müsste eine Befreiung beantragt werden.

Für den unteren Teil wurde eine Ertüchtigung mit einer rund acht Zentimeter starken Asphaltschicht diskutiert. Diese soll nicht primär dem Radverkehr dienen, sondern dem forstwirtschaftlichen Verkehr sowie Rettungsdiensten eine verlässliche Auf- und Abfahrt ermöglichen. Das wird besonders relevant, wenn das Schmelztal im Zuge geplanter Brückensanierungen voraussichtlich ab Sommer 2027 für längere Zeit gar nicht nutzbar sein wird. Dann könnte der Mucherwiesenweg eine wichtige ergänzende Funktion erhalten.

Deutlich wurde zugleich, dass Naturschutzbelange ernst genommen werden müssen. Im Gebiet sind Feuersalamander nachgewiesen. Eine einfache Gegenüberstellung „Radverkehr versus Feuersalamander“ wäre jedoch fachlich zu kurz gegriffen. Entscheidend ist nicht eine pauschale Korrelation mit Radfahrenden, sondern die Frage, wie Bauarbeiten, Wegeentwässerung, Baustellenverkehr, Barrierewirkungen und spätere Nutzung so gestaltet werden können, dass Lebensräume und Wanderbewegungen der Tiere, sowie deren Habitat Fauna und Flora möglichst wenig beeinträchtigt werden.

Auch mögliche zeitliche Einschränkungen wurden angesprochen. Sollte sich die Umsetzung verzögern, könnten Brutzeiten und artenschutzrechtliche Vorgaben ab dem 1. März 2027 bis in den Sommer hinein Einfluss auf den Bauablauf haben. Dies zeigt, wie wichtig eine frühzeitige Planung, eine saubere naturschutzfachliche Bewertung und eine klare Abstimmung zwischen Stadt, Forst, Naturschutzbehörde und beteiligten Verbänden sind.

Aus Sicht des ADFC liegt in dem Verfahren eine Chance. Wenn ein bestehender Waldwirtschaftsweg fachgerecht ertüchtigt wird, kann dies mehrere Ziele verbinden: bessere Erreichbarkeit für Forst und Rettungsdienst, eine verlässlichere Verbindung für den Radverkehr, weniger Konflikte durch klarere Wegeführung und eine rechtssichere Lösung im sensiblen Naturraum. Voraussetzung ist, dass der Bestand sorgfältig dokumentiert, die Zuständigkeiten geklärt und die naturschutzrechtlichen Anforderungen transparent geprüft werden.

Die Mucherwiese bleibt damit ein Beispiel für die Herausforderung, Mobilität, Naherholung, Waldwirtschaft und Naturschutz nicht gegeneinander auszuspielen. Gerade in einem Raum wie Bad Honnef, in dem Tal und Höhe eng miteinander verbunden sind, braucht es Lösungen, die alltagstauglich, ökologisch vertretbar und langfristig tragfähig sind.

Quelle:  Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V. (ld)

21.07.2026