Käthes Fachwerkhaus: Zu spät ist auch eine Entscheidung

Käthes Fachwerkhaus Aegidienberg e. V. Foto: Ki Generiert

Zwei Fenster sind schon raus. Käthes Fachwerkhaus steht noch – aber wie lange? Während Politik und Verwaltung schweigen, werden auf dem Grundstück unwiederbringliche Tatsachen geschaffen.

Die Grundstücke in zweiter Reihe, vorgesehen für Einfamilienhäuser, sind bereits reserviert. Zum Verkauf steht jetzt die vordere Fläche an der Höveler Straße 1: 1.543 Quadratmeter für zwei Mehrfamilienhäuser mit rund 1.000 Quadratmetern Wohnfläche „+ X“, gegebenenfalls ergänzt um Gewerbeflächen. Kaufpreis: 530.000 Euro. Eine positiv beschiedene Bauvoranfrage liege vor.

Und Käthes Fachwerkhaus? Im Angebot ist sein „Rückbau“ bereits im Kaufpreis berücksichtigt.

Interessant ist auch die Erschließung: Ebenfalls im Kaufpreis enthalten ist die innere Erschließungsstraße. Rückbau und Erschließung können jedoch dem Käufer überlassen werden – dann, so heißt es im Angebot, lasse sich der Kaufpreis „signifikant“ senken.

Dabei liegt eine Alternative längst auf dem Tisch: eine Erschließung seitlich am Fachwerkhaus vorbei. Sie würde die Neubebauung ermöglichen, ohne dass Käthes Fachwerkhaus dafür weichen müsste. Auch die positiv beschiedene Bauvoranfrage bedeutet nicht, dass nun zwangsläufig alles genau so gebaut und das Haus abgerissen werden muss. Ein Bauvorbescheid entscheidet nur über die Fragen, die mit der Bauvoranfrage gestellt und beschieden wurden. Solange keine Baugenehmigung vorliegt, stellt sich deshalb ganz konkret die Frage, ob die Stadt jetzt planerisch tätig wird: mit einem Bebauungsplan und – soweit rechtlich möglich – einer Veränderungssperre zu dessen Sicherung. Gerade eine solche Veränderungssperre kann grundsätzlich auch die Beseitigung eines bestehenden Gebäudes während des Planverfahrens verhindern. Ob und in welchem Umfang der vorhandene Bauvorbescheid bereits bindende Vorgaben enthält, müsste die Stadt prüfen.

Während auf dem Grundstück also längst sehr konkret gerechnet, projektiert und reserviert wird, herrscht andernorts bemerkenswerte Ruhe.

(*) Bürgeranregung, Schreiben an die Politik, offener Brief, Denkmalbereichsantrag – informiert wurde vielfach. Im Planungsausschuss stellte kein einziges Ausschussmitglied auch nur eine Frage. Die Fraktionsvorsitzenden der Ratsfraktionen antworteten auf unsere Informationen, sie würden das Thema zur Beratung mitnehmen. Darüber hinaus gab es persönliche Reaktionen: Eine Vertreterin der AfD suchte das telefonische Gespräch; Elke Buttgereit von der CDU brachte ebenfalls ihr Bedauern über die Entwicklung zum Ausdruck.

Das ist das eigentlich Erstaunliche an dieser Geschichte: Es gäbe etwas zu entscheiden. Man muss den Erhalt des Hauses nicht befürworten. Man kann die Neubebauung für richtig halten. Man könnte über mehr Wohnraum, Eigentumsrechte, eine andere Erschließung und die Entwicklung Aegidienbergs streiten.

Aber man müsste überhaupt erst einmal darüber reden.

Bad Honnef hat für die Sanierung seines historischen Kurhauses Millionen ausgegeben. In Hövel droht ein Stück des alten Ortskerns zu verschwinden – und die kommunalpolitische Reaktion darauf erinnert bislang vor allem an eines:

Schweigen im Walde.

Noch steht das Haus. Zwei Fenster fehlen schon.

 

Quelle: Förderverein Käthes Fachwerkhaus Aegidienberg e. V. — Kerstin Salchow

18.8.26

 


(*) geändert 19.8.2026-13 Uhr