Wie hat Ihre Reise in die Weinwelt eigentlich begonnen?
Überraschenderweise in einer Tanzgarde. 2014 bin ich der Tanzgarde der KG Ziepches Jecke beigetreten, ohne zu ahnen, dass dort der Grundstein für meinen späteren Weg gelegt wurde. Als eine Freundin aus der Garde Weinkönigin wurde, durfte ich sie als Weinprinzessin begleiten. Mit 17 war ich einfach stolz, dieses Amt ausüben zu dürfen – die Vielfalt der Weinwelt war mir damals noch nicht bewusst.
Wann wurde aus diesem ersten Kontakt eine echte Beschäftigung mit dem Thema Wein?
Nach einer kleinen Schulung vor Amtsantritt rückte das Thema zunächst in den Hintergrund. Schule, Ausbildung und Alltag standen im Vordergrund. Nur eines blieb: Wein schmeckt mir. Richtig los ging es erst nach der Corona-Zeit, als unser Verein wieder ein Weinfest organisierte und spontan eine Weinkönigin gebraucht wurde. So entstand unser Trio mit Aaliyah I. als Rhöndorfer Weinkönigin 2022–2024, begleitet von Sarah und mir.
Was hat Sie an der Rolle besonders begeistert?
Die Mischung aus Organisation, Begegnungen und gelebter Tradition. Es ging schnell weit über Krone und Kleid hinaus. 2024 durfte ich selbst die Krone übernehmen – als 55. Rhöndorfer Weinkönigin im Jubiläumsjahr. Mit Jasmin wurde aus dem Trio ein Quartett, und erstmals standen größere Veranstaltungen wie die ProWein in Düsseldorf auf dem Programm. Dort wurde aus Interesse echte Leidenschaft.
Wie haben Sie Ihr Wissen vertieft?
Ich habe begonnen, Fachliteratur zu lesen, Podcasts zu hören und mich intensiv mit Rebsorten, Böden und Ausbau zu beschäftigen. Mit der Bewerbung für die Wahl der Mittelrhein-Weinhoheiten wurde das noch intensiver. Winzerinnen und Winzer aus der Region haben mich unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin.
Was unterscheidet die Aufgaben auf Gebietsebene von denen in Rhöndorf?
Die Anforderungen steigen deutlich. Vor einer Jury mussten wir Fragen zu Wein, Tourismus und Speisebegleitung beantworten und Weine anhand ihres Aussehens beschreiben. Auch Auftreten und Persönlichkeit spielen eine große Rolle. Am Ende wurde ich zur 55. Mittelrhein-Weinkönigin gewählt. Viele Termine finden nun allein statt, was mehr Verantwortung mit sich bringt.
Wie bereiten Sie sich auf die Wahl der Deutschen Weinmajestäten vor?
Es geht um fundiertes Fachwissen, sichere Präsentation und Blindverkostung. Man repräsentiert alle 13 deutschen Anbaugebiete – national und international. Dazu gehören Englischkenntnisse und Wissen über aktuelle Themen der Weinwirtschaft. Bis zur Wahl heißt es: lernen, verkosten, üben und die Nervosität im Griff behalten. Die Wahl wird im Fernsehen übertragen.
Wie wirkt dieser Weg heute auf Sie, wenn Sie zurückblicken?
Manchmal fast surreal. Das Mädchen, das vor elf Jahren in einer Tanzgarde angefangen hat, hätte nie gedacht, dass dort der Anfang dieses Weges liegt. Auch die 17‑jährige Weinprinzessin hätte nicht geahnt, dass daraus eine solche Leidenschaft entsteht. Heute darf ich als Mittelrhein-Weinkönigin eine ganze Weinregion vertreten und stehe kurz vor der Wahl der Deutschen Weinmajestäten. Dieser Weg war es in jedem Fall wert.
Ergänzende Informationen zur Wahl der Deutschen Weinmajestäten
Die 78. Deutsche Weinmajestät wird in Neustadt an der Weinstraße im September gewählt.
Der Vorentscheid findet am Samstag, 19. September 2026, statt – ab 15 Uhr im Livestream der SWR‑Mediathek.
Das Finale folgt am 25. September 2026 und wird um 20:15 Uhr live im SWR‑Fernsehen übertragen.
Weitere Informationen:
https://www.deutscheweinmajestaet.de/wer-wird-die-78-deutsche-weinmajestaet
Persönlich treffen?
Wer die amtierende Mittelrhein-Weinkönigin persönlich sehen möchte:
Am kommenden Wochenende, Freitag und Samstag, 4.–5. September, gibt es bestimmt die Möglichkeit – auf dem Rhöndorfer Weinfest.
(eb) Fotos:© Thomas Scheben
03.09.2026


