Mit einer eindrucksvollen Demonstration haben am Montagabend (12.10.26) rund 300 Bürgerinnen und Bürger in Rhöndorf ein deutliches Signal an die Deutsche Bahn gesendet: Der Bahnhof Rhöndorf soll endlich vollständig barrierefrei ausgebaut werden. Menschen aller Altersgruppen beteiligten sich an der Kundgebung, darunter zahlreiche Schülerinnen und Schüler des Nell-Breuning-Berufskollegs sowie Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Rheinfrieden.
Die Enttäuschung über die jüngste Entscheidung der Deutschen Bahn war bei den Teilnehmenden deutlich spürbar. Obwohl der barrierefreie Ausbau seit Jahrzehnten gefordert wird und Ende 2025 die notwendigen Finanzmittel bereitgestellt wurden, soll die vollständige Umsetzung nun nicht im Zuge der laufenden Korridorsanierung der rechtsrheinischen Bahnstrecke erfolgen. Insbesondere der Verzicht auf einen barrierefreien Zugang zum Mittelbahnsteig mit Aufzügen und Unterführung sorgt vor Ort für großes Unverständnis.
Zur Demonstration aufgerufen hatten die Rhöndorfer Peter Profittlich und Susanne Langguth gemeinsam mit dem Bürger- und Ortsverein Rhöndorf. Viele Teilnehmende verliehen ihrer Forderung mit Transparenten und Plakaten Nachdruck. Die zentrale Botschaft des Abends war dabei eindeutig: Teilhabe ist kein Privileg, sondern ein Grundrecht.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch das Rhöndorfer Ratsmitglied und stellvertretenden Bürgermeister Peter Profittlich. Er betonte die Bedeutung des Anliegens und machte deutlich, dass es nicht um einen Protest gegen etwas, sondern um den Einsatz für gleichberechtigte Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe gehe. Profittlich erinnerte daran, dass bereits seit vielen Jahren für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs gekämpft werde und die Menschen vor Ort die Bahn nicht aus ihrer Verantwortung entlassen dürften.
Auch Bürgermeister Philipp Herzog stellte sich klar hinter die Forderungen der Demonstrierenden. Es gehe um weit mehr als eine bauliche Maßnahme. Alle Menschen müssten die Möglichkeit haben, den Bahnhof selbstständig und ohne Hindernisse nutzen zu können. Insbesondere dauerhaft oder vorübergehend mobilitätseingeschränkte Menschen benötigten endlich Klarheit darüber, wann die zugesagten Maßnahmen umgesetzt werden.
Ein besonderes Zeichen hatte die Initiative bereits am Wochenende gesetzt. Am Rande der Jubiläumsveranstaltung zu „150 Jahre Konrad Adenauer“ und „80 Jahre CDU Bad Honnef“ im Kurhaus übergaben Vertreter der Bewegung eine Petition für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs an NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. Auch CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann war dabei. Nach Angaben der Initiatoren zeigte sich Wüst offen für das Anliegen und erkannte die Dringlichkeit des Themas an. Nun erwarten die Unterstützer konkrete Schritte und einen verbindlichen Zeitplan.
Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im NRW-Landtag, Martin Metz, berichtete in seinem Redebeitrag, dass auch NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer das Vorgehen der Deutschen Bahn kritisch sehe. Das Ministerium habe sich bereits an die Bahn gewandt, verfüge jedoch über keine rechtlichen Möglichkeiten, die Umsetzung einzufordern. Metz verwies zudem auf Gespräche mit dem Generalbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Nordrhein-Westfalen. Aus seiner Sicht müsse der vollständige barrierefreie Ausbau so schnell wie technisch möglich umgesetzt werden. Gut gemeinte Regelungen wie die mehrjährige Baufreiheit nach einer Streckensanierung dürften nicht zulasten der Betroffenen gehen. Gemeinsam mit dem Bad Honnefer CDU-Landtagsabgeordneten Jonathan Grunwald wolle er sich weiter für eine schnelle Lösung einsetzen. Zugleich verwies er auf die besondere Verantwortung des Bundes als Eigentümer der Deutschen Bahn.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Jonathan Grunwald machte deutlich, dass es nicht akzeptabel sei, wenn ein bereits zugesagtes und mit öffentlichen Mitteln unterstütztes Projekt auf unbestimmte Zeit verschoben werde. Auch er forderte eine zeitnahe Umsetzung und einen verbindlichen Fahrplan für den Ausbau.
Kritisch angemerkt wurde zudem, dass kein Vertreter der Deutschen Bahn an der Kundgebung teilnahm. Viele Teilnehmende hätten sich einen direkten Dialog mit den Verantwortlichen gewünscht, um Antworten auf offene Fragen zum weiteren Vorgehen und zu einem möglichen Zeitplan für den barrierefreien Ausbau zu erhalten.
Für die Bad Honnefer Grünen sprach die stellvertretende Bürgermeisterin Christiane Guth. Sie betonte, dass Barrierefreiheit kein Luxus, sondern ein grundlegendes Recht auf Teilhabe sei. Menschen müssten sich selbstbestimmt und ohne Hindernisse im öffentlichen Raum bewegen können. Die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an eine moderne und inklusive Infrastruktur seien vollkommen berechtigt. Auch Vertreter des Bürgerblocks Bad Honnef unterstützten die Forderung nach einem zeitnahen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs und machten deutlich, dass das Anliegen parteiübergreifend getragen werde.
Besonders eindringlich schilderte David Weber, Regionalleiter Bad Honnef der Jovita Rheinland gGmbH als Trägerin von Haus Rheinfrieden und dem Nell-Breuning-Berufskolleg, die Auswirkungen fehlender Barrierefreiheit auf den Alltag vieler Menschen. Anhand konkreter Beispiele machte er deutlich, mit welchen Hindernissen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, aber auch Familien mit Kinderwagen täglich konfrontiert sind. Der barrierefreie Zugang zum Bahnhof sei deshalb keine besondere Zusatzleistung, sondern eine grundlegende Voraussetzung für selbstbestimmte Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe.
Auch Claudia Solzbacher, Vorsitzende des Fachbeirates „Menschen im Alter“, verwies auf die besondere Bedeutung des Themas für Bad Honnef. Die Stadt habe einen hohen Anteil älterer Menschen, weshalb Barrierefreiheit bei Infrastrukturmaßnahmen konsequent mitgedacht werden müsse.
Beeindruckend war die Unterstützung durch die Schülerinnen und Schüler des Nell-Breuning-Berufskollegs. Viele von ihnen beteiligten sich aktiv an der Demonstration und machten deutlich, wie wichtig Solidarität und gesellschaftlicher Zusammenhalt bei diesem Thema sind. Auch ehemalige Schülerinnen und Schüler von Haus Rheinfrieden schilderten ihre persönlichen Erfahrungen mit den bestehenden Barrieren am Bahnhof.
Einig waren sich am Ende alle Rednerinnen und Redner: Der Bahnhof Rhöndorf muss endlich vollständig barrierefrei werden. Die Demonstration hat gezeigt, dass die Forderung von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis getragen wird. Die Beteiligten kündigten an, den Druck auf die Deutsche Bahn und die zuständigen Stellen aufrechtzuerhalten, bis es einen verbindlichen Zeitplan für die Umsetzung gibt. Für die Menschen in Rhöndorf steht fest: Barrierefreiheit darf nicht weiter verschoben werden. Jetzt müssen den Worten Taten folgen.
Einige Impressionen ..
(eb-ki) Fotos:© Thomas Scheben
13.10.2026










































