Dragons Rhöndorf vs. Bayer Giants Leverkusen 78:93 (21:24, 20:21, 13:26, 24:22)
Der Sieg von Leverkusen über Rhöndorf ging in Ordnung, fiel unterm Strich mit 93:78 (41:45) aber eine Spur zu hoch aus. Ganze 120 Sekunden verloren die Dragons die Kontrolle in der Defensive, die reichten cleveren Bayer Giants aber, um sich entscheidend abzusetzen. Ansonsten erlebten die rund 450 Fans am Menzenberg ein hochklassiges Derby auf Augenhöhe, mit hitzigen Duellen auf dem Parkett wie auf den Rängen.
Leverkusen wurde dem Anspruch des Topteams absolut gerecht, daran gab’s nach dem Lokalderby nichts zu deuteln. Jedenfalls legten die Giants los wie die Feuerwehr. Egal ob aus der Distanz oder am Brett, gefühlt landete jeder Versuch im Korb. Die Trefferquoten nach zehn Minuten waren beeindruckend: 57 % aller Dreierversuche fanden ihr Ziel, aus dem Zweierbereich waren es sogar 75 %. Kein Wunder also, dass Bayer bereits in der sechsten Minute mit acht Punkten in Front lagen (9:17). Abschütteln ließen sich die Dragons trotzdem nicht. Zu verdanken war’s Kenan Reinhart, dessen Wurf wieder stabil fiel sowie Carlo Schmid, der gegen Ende des Viertels zwei Dreier zum 21:24 einklinkte.
Gleiches Bild im zweiten Spielabschnitt: Wieder hatten die Hausherren zunächst Ladehemmungen, während Leverkusen traf und erstmals zehn Punkte vorlegte (14“/25:35). Diesmal sorgte Mychael Paulo mit zwei Dreiern für den Anschluss. Die Gäste gingen mit einer knappen 41:45-Führung in die Halbzeitpause. Nach dem Seitenwechsel folgten dann für die Dragons zwei Minuten zum Vergessen. Rhöndorf fand in der Defensive keinen Zugriff mehr. Leverkusen nutzte die Konfusion der Gastgeber, spielte David Gerhard und zweimal Luca Finn Kahl-Hansen an der Dreier-Linie frei, die neun Punkte machten. Brandon Michael Maughmer packte per Layer noch zwei zur 11:0-Serie drauf. So wurde binnen 120 Sekunden aus einem 44:45 ein 44:56. Es sollte die Vorentscheidung sein, nach dem dritten Viertel hieß es 54:71.
Kein Grund für die Dragons aufzugeben. Man kämpfte sich wieder heran, Benjamin Sadikovic drückte den Rückstand per Freiwürfe wieder in den einstelligen Bereich (66:75). Rhöndorf schnupperte noch einmal Morgenluft. Doch Leverkusens Branden Maughmer erstickte den Hoffnungsfunken mit achten Punkten im Keim (36“/83:70). Nun fingen die Giants an zu zaubern, mit wunderbarem Pass-Stafetten wurden immer wieder freie Würfe kreiert, was man ebenso neidlos anerkennen musste, wie den 78:93-Erfolg der Gäste.
Überragender Spieler der Partie war Branden Michael Maughmer. Der US-Amerikaner erzielte starke 27 Punkte. Luca Finn Kahl-Hansen (15 Pkt.), David Gerhard (16 Pkt.) und Luca Michels punkteten ebenfalls zweistellig. Auf Rhöndorfer Seite setzten sich Kenan Reinhart (18 Pkt.), Carlo Schmid (11 Pkt.) sowie Mychael Paulo (15 Pkt.) als Scorer positiv in Szene. Überhaupt waren die Wurfquoten der Dragons keinesfalls enttäuschend. 58 % Zweier sowie 36 % Dreier könne sich sehe lassen, sind aber einfach zu wenig, wenn der Gegner aber 64 % bzw. 44 Prozent trifft.
Max, in den ersten beiden Viertel haben wir heute starke Dragons erlebt. Zu Beginn des dritten Viertels ging’s dann dahin …
Max Becker (Headcoach Dragons Rhöndorf): Zunächst Glückwunsch an Leverkusen zum verdienten Sieg. Wir haben heute über drei Viertel ein wirklich gutes Spiel gegen den besten Kader in der ProB-Süd gemacht. Im dritten Viertel haben wir dann leider in der Defensive völlig den Faden verloren. Es war die unnötige Vorentscheidung. Danach haben wir uns aber wieder gefangen und weitergekämpft. Wir haben alles gegeben, es hat am Ende aber nicht gereicht.
Es war phasenweise eine hart geführte Begegnung, aber deine jungen Spieler haben heute voll dagegengehalten.
Ja, es war ein Derby, das hat man auf den Rängen wie auf dem Spielfeld gemerkt. Uns war klar, dass wir die Physis und Erfahrung des Gegners irgendwie matchen müssen. Wir haben unser Bestes gegeben, in drei Vierteln hat es gut funktioniert, in einem leider nicht.
Der Dreier hat bei Rhöndorf heute mal wieder gepasst. Ein Schritt in die richtige Richtung?
Auf jeden Fall. Wir glauben an unseren Wurf. Trotzdem müssen wir auch andere Lösungen finden. Wir werden daran arbeiten, dass unsere Offensive dynamischer sowie vielseitiger wird und nicht mehr so abhängig vom Dreier ist. Trotzdem war es gut zu erleben, dass die Distanzwürfe wieder gefallen sind.
Mit einem Augenzwinkern – als nächstes kommt ein Gegner, den man durchaus bezwingen kann?
Ja, der ungeschlagene Tabellenführer. Aber wir haben heute gesehen, unmöglich war’s auch gegen starke Leverkusener nicht. Ich denke, wir sind gegen kein Team in der Liga von vornherein unterlegen. Daher fahren wir nach Reutlingen mit der Prämisse, dass Spiel zu gewinnen.
Rhöndorf: Schmid (11 Pkt./1-3er), Ilic (9/2-3er/5 As.), Paulo (15/3), Reinhart (18/3/6), Böning, Willoughby (5), Sadikovic (7), Idbihi (2), Pettenò (3/1), Mayr (8)
Leverkusen: Maughmer (27 Pkt./4-3er), Kahl-Hansen (15/2), Reichstadt (4/8 Reb.), Koch (2), Fleute (7/1), Heinzmann(6/5 Reb.), Kjartansson (6/2), Michels (10/2)
Rhöndorf / Leverkusen: 2er 19/33 (58%) / 18/28 (64%), 3er 9/25 (36%) / 16/36 (44%), FG 28/58 (48%) / 34/64 (53%), FT 13/17 (76%) / 9/11 (82%), AS 15 / 22, REB 27 / 34, ST 5 / 11, TO 19 / 15, BS 2 / 2, PF 13 / 20
Quelle: Dragons Rhöndorf (kb) — Fotos: Martin Jung
01.11.2026





