Die Unzufriedenheit über das vorerst gescheiterte Vorhaben, den Bahnhof Rhöndorf während der laufenden Generalsanierung der rechten Rheinstrecke vollständig barrierefrei auszubauen, nimmt weiter zu. Nach Angaben der Deutschen Bahn können die dafür vorgesehenen Arbeiten in der aktuellen Sperrpause, die noch bis zum 12. Dezember 2026 andauert, nicht abgeschlossen werden. Für viele Beteiligte ist das ein Bruch mit früheren Zusagen.

Bei einem Treffen am Donnerstagabend (17.9.26) in Rhöndorf machten die Bad Honnefer Ratsmitglieder Peter Profittlich und Susanne Langguth deutlich, dass die Bahn aus ihrer Sicht an ihrem Versprechen festhalten müsse. An dem Austausch nahmen unter anderem Vertreter des Haus Rheinfrieden, die Vorsitzende des Fachbeirats Inklusion, Ulla Studthoff, sowie weitere Rhöndorfer Institutionen und Vertreterinnen und Vertreter aus der Rhöndorfer Bürgerschaft teil. Die zentrale Forderung lautete, dass die zugesagte Barrierefreiheit umgesetzt werden müsse.
Als Begründung für die Verzögerung nennt die Bahn fehlende Kapazitäten und Fachkräftemangel. Für die örtlichen Vertreter ist diese Erklärung nicht ausreichend. Ein solcher Engpass müsse frühzeitig eingeplant werden und dürfe nicht dazu führen, dass zugesagte Maßnahmen erneut verschoben werden.

Bei einer Besichtigung vor Ort durch AusBadHonnef.de zeigt sich zudem, dass die bauliche Situation komplex ist. Auf der Rheinseite steht ein Mast, dessen Versetzung offenbar nur mit erheblichem Aufwand möglich wäre. Richtung Süden befindet sich eine mobile, bewegliche hydraulische Wand zum Lärmschutz, Richtung Norden ein Laufgitter. Auf beiden Seiten sind keine sichtbaren Vorbereitungen für den geplanten Umbau erkennbar. Aus Sicht der Beteiligten deutet dies wohl auf einen Planungsfehler hin, der nun zu Verzögerungen führt.
Auch wurden bereits Schreiben an verschiedene Institutionen des Rhein-Sieg-Kreises, an die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, an das Bundesverkehrsministerium sowie an die Deutsche Bahn geschickt, um die Verantwortlichen über die Situation zu informieren und auf die Dringlichkeit des barrierefreien Ausbaus hinzuweisen.
Übergangslösung ist keine Lösung
Besonders betroffen sind Menschen mit eingeschränkter Mobilität sowie die Schülerinnen und Schüler des Nell-Breuning-Berufskollegs. Eine mögliche Übergangslösung in Form eines Shuttleverkehrs wird kritisch gesehen. Die Teilnehmenden befürchten, dass eine Zwischenlösung am Ende dazu führen könnte, dass der eigentliche barrierefreie Ausbau weiter hinausgezögert wird oder sogar ganz fallengelassen wird.
Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, soll am 12. Oktober 2026 um 17 Uhr in Rhöndorf demonstriert werden. Der Termin muss noch mit der Stadtverwaltung abgestimmt werden. Klar ist für die Initiatoren jedoch, dass der Protest stattfinden soll. Auch Ministerpräsident Hendrik Wüst soll die Anliegen zu hören bekommen. Er wird am 10. Oktober zur Jubiläumsveranstaltung „150 Jahre Konrad Adenauer und 80 Jahre CDU Bad Honnef“ im Kurhaus erwartet.
Der Protest hat eine lange Vorgeschichte. Bereits 2010 entfernte die Deutsche Bahn einen provisorischen Übergang über die Gleise, der Menschen mit Behinderung den Zugang zum Mittelbahnsteig erleichtert hatte. Es folgten Proteste, eine Unterschriftenliste, eine Petition beim NRW-Landtag und eine Resolution des Bad Honnefer Stadtrats. 2014 legte die Bahn eine Machbarkeitsstudie vor, 2017 wurde der Bahnhof in die Modernisierungsoffensive aufgenommen.
Nach Auffassung der Ratsmitglieder Profittlich und Langguth darf die Bahn nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden. Die zugesagte Barrierefreiheit sei ein zentraler Bestandteil der Generalsanierung und müsse umgesetzt werden.
(eb-ki)
18.09.2026
