Vom Staubinator bis zum Handytresor: Sieben Ideen für den Schulalltag

Hackdays Schloss Hagerhof 2026 -- Foto© Thomas Scheben -

Drei Tage lang wurde geplant, programmiert, gebaut, verworfen und verbessert: Bei den vierten Hackdays am Schloss Hagerhof entwickelten 30 Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 eigene technische Lösungen für ganz konkrete Herausforderungen aus ihrem Schulalltag. Am Ende standen sieben sehr unterschiedliche Prototypen – und vor allem jede Menge eigener Ideen.

Was könnte an unserer Schule besser funktionieren? Mit dieser zunächst einfachen Frage begannen am Montagmorgen die Hackdays. Bevor Sensoren, Mikrocontroller und Werkzeuge zum Einsatz kamen, ging es deshalb erst einmal darum, genau hinzuschauen: Wo gibt es im Schulalltag Probleme? Was nervt? Was fehlt? Und an welcher Stelle könnte Technik helfen?

Aus der gemeinsamen Ideenfindung entstanden Teams, aus ersten Gedanken konkrete Pläne – und spätestens am zweiten Tag wurde in den Arbeitsräumen intensiv getüftelt. Unterstützt wurden die Jugendlichen von Mentorinnen und Mentoren sowie von den Hagerhof-Lehrkräften Nils Christians, Marina Ivanovic und Marina Ring. Dabei galt ein wichtiges Prinzip: Die Erwachsenen halfen, wenn es nötig war, lieferten aber nicht die fertigen Lösungen. Ausprobieren, Fehler erkennen, verändern und einen neuen Versuch starten gehörten ausdrücklich dazu.

Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigte sich am Donnerstag bei der Abschlusspräsentation in der Aula. Sieben Teams stellten vor, was in den vergangenen drei Tagen entstanden war. Am Projekt haben 31 Schülerinnen und Schüler teilgenommen, von denen neun Schülerinnen waren.

Sieben Teams, sieben Lösungen

Anton, Clemens, Filip, Konstantin und Rafael beschäftigten sich mit einem Problem, das vermutlich in nahezu jedem Klassenraum bekannt ist: dem Geräuschpegel. Ihr „Geräuschemesser“ erkennt, wenn es im Raum über einen gewissen Zeitraum hinweg zu laut wird, und macht die Klassengemeinschaft darauf aufmerksam, die Lautstärke wieder zu reduzieren. Ein Prototyp mit durchaus realistischen Chancen auf einen späteren Einsatz im Schulalltag.

Mit dem „Staubinator 2000“ gingen Arne, Lucas, Marc und Oskar ein anderes alltägliches Problem an. Ihr autonom agierender Staubsauger soll selbstständig für Sauberkeit sorgen – nicht nur im Klassenraum. Das Team überzeugte dabei sowohl mit seiner handwerklich-technischen Umsetzung als auch mit einer starken Präsentation des Projekts.

Um die Sicherheit der Fahrräder auf dem Schulhof kümmerten sich Emma, Jakob, Josefine, Levi und Mia. Ihr „Abschließinator 3000“ ist der Prototyp eines Fahrradschlosses, das sich über eine Zahlenkombination bedienen lässt und Fahrräder zukünftig unkompliziert und sicher verschließen soll.

Ganz andere Mitbestimmungsmöglichkeiten entdeckte die „Küchen Task-Force“. Bill, Henri, Joshua, Justus und Luca entwickelten ein digitales Abstimmungssystem für das Schulessen. Die Idee: Schülerinnen und Schüler können selbst darüber abstimmen, was künftig auf den Tisch kommen soll. Ein Wahl-O-Mat für den Speiseplan – und vielleicht ein Ansatz, der irgendwann tatsächlich den Weg in die Praxis findet.

Aleksey, Caro, Fynn und Thilda widmeten sich mit ihrem „Klimatisierer“ dem Raumklima. Ein Sensor erfasst dabei die Außentemperatur und steuert auf dieser Grundlage die Heizung im Klassenraum. Technisch war die Lösung am Ende der Hackdays bereits so weit, dass für einen praktischen Einsatz vor allem eines fehlte: längere Kabel.

Weniger Ablenkung im Unterricht war das Ziel von Adem, Mika, Moritz und Leon. Mit ihrem „Handytresor“ entwickelten sie eine Möglichkeit, Smartphones während des Unterrichts sicher aufzubewahren. Der Gedanke dahinter ist ebenso einfach wie aktuell: Ist das Handy zuverlässig verstaut, fällt es leichter, die Aufmerksamkeit auf das Unterrichtsgeschehen zu richten.

Ein Thema aus ihrem eigenen Alltag griffen schließlich Annika, Clara, Hannah und Sophie auf. Unter dem Projektnamen „Girls Problems“ entwickelten sie eine automatisierte Ausgabe für Pflege- und Hygieneartikel. Ihr Prototyp zeigte, dass eine praktische technische Lösung zugleich funktional und optisch ansprechend gestaltet werden kann.

Vom Problem zum eigenen Prototyp

Gerade die Unterschiedlichkeit der Projekte machte bei der Abschlussveranstaltung deutlich, worum es bei den Hackdays geht. Es gibt keine vorgegebenen Aufgaben mit bereits bekannten Lösungen. Die Jugendlichen bestimmen selbst, womit sie sich beschäftigen, entwickeln im Team einen Lösungsweg und müssen anschließend herausfinden, wie sich ihre Idee tatsächlich umsetzen lässt.

Das bedeutet auch: Nicht alles funktioniert beim ersten Versuch. Kabel müssen anders verbunden, Programme verändert, Bauteile neu angeordnet oder ursprüngliche Ideen angepasst werden. Genau dieses Vorgehen ist Teil des Konzepts. Nicht ein makelloses Endprodukt entscheidet über den Erfolg, sondern der Weg vom erkannten Problem über die gemeinsame Planung bis zu einem funktionierenden Prototyp.

Davon überzeugte sich bei der Abschlusspräsentation auch Schulleiter Dr. Sven Neufert. Er nahm sich ausführlich Zeit für die einzelnen Stationen, ließ sich von den Teams erklären, wie ihre Hacks funktionieren, und die entwickelten Lösungen natürlich auch vorführen.

Mit dabei war erneut Bettina Wallor, pädagogische Mitarbeiterin im Regionalen Bildungsbüro des Rhein-Sieg-Kreises, die bereits die letzten Hackdays am Hagerhof begleitet hatte und die Veranstaltung überhaupt erst möglich macht. Sie ist Teil von „Make Your School – Eure Ideenwerkstatt“. Das Format bringt digitale Bildung, technische Kreativität und eigenständiges Problemlösen zusammen und gibt Jugendlichen die Möglichkeit, ihr unmittelbares schulisches Umfeld selbst mitzugestalten.

Nach drei intensiven Tagen endeten die Hackdays mit der Präsentation der Projekte, der Übergabe der Zertifikate und einer gemeinsamen Evaluation. Zurück blieben sieben Prototypen – einige noch mitten in der Entwicklung, andere erstaunlich nah an einem möglichen Praxiseinsatz.

Vor allem aber zeigten die Hackdays erneut, was entstehen kann, wenn Schülerinnen und Schüler nicht einfach Lösungen präsentiert bekommen, sondern selbst nach ihnen suchen dürfen: Sie beobachten, hinterfragen, entwickeln, bauen – und gestalten damit ein kleines Stück ihrer Schule selbst.

Lernende für Technologie und digitale Tools begeistern! An Schulen sollen zwei- bis dreitägige Hackday-Veranstaltungen durchgeführt werden. Bei diesen Tüfteltagen benennen die Lernenden aktuelle Herausforderungen und Probleme an ihrer Schule und entwickeln in Kleingruppen digitale und technische Lösungsansätze in Form von Prototypen, den sogenannten Hacks. Dabei stehen ihnen umfangreiche technische Hilfsmittel wie Werkzeuge, Sensoreinheiten oder Mikrocontroller zur Verfügung. Die Jugendlichen werden von Mentoren und Mentorinnen aus Bereichen wie Informatik, Design, Elektrotechnik und Maschinenbau unterstützt. Abschließend präsentieren die Jugendlichen ihre Prototypen vor der Schulöffentlichkeit und Presse. Und alles kostenlos für die Schulen!

Die Organisation der Termine, der Mentorinnen und Mentoren und der Materialkisten liegt in Verantwortung des zdi-Netzwerks :MINT im Rhein-Sieg-Kreis mit Bettina Wallor, Pädagogische Mitarbeiterin des Regionalen Bildungsbüros, als Netzwerkkoordinatorin.

Weitere Informationen zum Projekt „Make Your School“ (https://www.makeyourschool.de/

Quelle: Schloss Hagerhof  (mw) — Regionales Bildungsbüro (RBB) (bw) —  Fotos:© Thomas Scheben

18.09.2026